Jean-René ist seit Anfang 2017 im Trainer-Team des LMC. Er hat in den letzten acht Jahren große Erfolge als brasilianischer Nationaltrainer gefeiert, und konnte sein Team zu einer internationalen Größe entwickeln. Spieler wie Hugo Calderano hat er maßgeblich mitgeformt.

Jean-René hat in der Vergangenheit Top-Spieler wie Jean-Philippe Gatien (Frankreich), Peter Karlsson (Schweden) oder den Ex-Europameister Michael Maze (Dänemark) in seiner Funktion als Coach of Levallois Sporting Club betreut – seit 2017 betreut er die Jungs des LMC, wenn sie bei wichtigen Turnieren antreten.

Wir haben uns mit ihm über seine Aufgabe am LMC, seine Beziehung zu den Jungs unterhalten und was in ihm vorgeht, wenn zwei seiner Schüler in einem Turnier aufeinandertreffen.

„Ich liebe Tischtennis.“

JEAN RENÉ MOUNIE

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Jean-Rene, warum Tischtennis?

Als ich jung war, wollte ich Tennis spielen… aber es regnete an 3 Trainingstagen hintereinander, ich konnte nicht trainieren und war wirklich frustriert… Beim Tischtennis würde das nicht passieren, also entschied ich, mich darauf zu konzentrieren. Ab diesem Augenblick war meine Leidenschaft entfacht. Die Leidenschaft ist bis heute da, auch wenn mein Konzept nach 30 Jahren ein wenig anders ist – glücklicherweise ;).

Ich liebe Tischtennis, ich schätze die Sportart sehr und das, was daraus entstehen kann. Der Sport hilft bestimmte Emotionen hervorzurufen und zu erleben und den Menschen auf eine tiefere Art und Weise zu entdecken, die sonst verborgen bleiben würde.

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Wie sieht denn ein typischer Tag als LMC Coach bei der World Tour aus?

Das ist wirklich unterschiedlich, je nachdem welchen Spieler ich begleite. Mit Simon verbringen wir viel Zeit in der Halle, 2 lange Trainingssessions am Tag vor dem Turnier. Mit Hugo ist es meistens eine Session (manchmal auch zwei), zwischendurch diskutieren wir viel. Was meine Coaching-Arbeit betrifft, bin ich immer verfügbar, wenn die Spieler Bedarf haben und Unterstützung fordern. Ansonsten sitze ich auch viel am Schreibtisch und beschäftige mich mit Videoanalysen – sagen wir mal so, ich beobachte intensiv, was die bei den Gegenspielern so passiert.

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LMC hat Dich unter anderem verpflichtet, weil es Dich als einen sehr erfahrenen und modernen Coach mit innovativen Methoden schätzt. Wie sind Deine Methoden? Was macht sie besonders?

Ich bin stolz auf das Vertrauen, das ich von Ox (Ochsenhausen) erhalten habe. Ich lerne hier jeden Tag immer noch viel dazu, aber ich bin auch ein Glückspilz. Ich hatte in meiner Karriere immer das richtige Umfeld sowie die richtigen Leute um mich, die mich angeleitet haben. Meine Methode ist ganz einfach: Ich beobachte, ich höre zu, ich schlage vor und wenn wir auf der Basis einen Weg abgesteckt haben, sorge ich dafür, dass wir ihn konsequent verfolgen und schaffe die passenden Rahmenbedingungen. Was den technischen und taktischen Bereich anbelangt, verwende ich eine Analysesoftware. Das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb man von mir den Eindruck eines modernen Coachs erhält. 😉

Wie setzt Du das Tool ein?

Ich versuche stets meine subjektiven Einschätzungen und Ideen anhand objektiver Informationen zu bestätigen. Das Tool hilft mir dabei sehr. Ich möchte aber vor dem Match keine langweilige Videoanalyse mit den Spielern besprechen und sie mit zu vielen Informationen überhäufen. Natürlich liefern alle diese Fakten und Zahlen eine Menge Ergebnisse, aber darauf kommt es nicht an. Der Spieler muss den Kopf frei haben, zu viele Informationen zerstören seine Kreativität. Mein Job ist es, die Spieler optimal auf das Match vorzubereiten und die 2 bis 3 relevanten und wichtigen Fakten aus all den Daten für die Jungs auszuwählen, bevor sie ins Spiel gehen.

Schlussendlich ist mein Konzept zu 90 Prozent anders als das Konzept anderen Trainer. Viele der Trainer setzen Perfektion als Maßstab für die Ausbildung der Spieler an und geben dem Spieler alle Werkzeuge an die Hand, um perfekt spielen zu können. Ich beginne vollkommen gegensätzlich. Für mich zählen nur der Spieler und seine Besonderheiten, selbst wenn ich versuche, die notwendige technische Basis auf hohem Niveau zu halten.

Michel Blondel und ich haben genau dasselbe Konzept, das ist der Grund, weshalb sich unsere Arbeit ergänzt. Wir suchen nach der Kreativität des Spielers und versuchen ihn so zu führen, dass er seinen eigenen Weg findet.

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Wie würdest Du denn die Beziehung zwischen Dir und den Talenten beschreiben? Versuchst Du, eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen oder wäre das eher nicht zielführend?

Da kommt mir nur ein Wort in den Sinn: Vertrauen.

Grundsätzlich kann es nützlich sein eine freundschaftliche Atmosphäre zwischen dem Trainer und dem Spieler aufzubauen. Das hängt wesentlich vom Profil und Alter des Spielers ab. Was unsere Situation hier betrifft, ist es ein wenig anders. Ich möchte nicht ihr Freund, ihr Bruder oder ihr Vater sein, ich bin nur (und das ist schon ganz schön viel) ihr Coach. Wir haben eine intensive Beziehung, wir können von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen, ohne Angst davor zu haben, verurteilt zu werden. Respekt ist der Grundwert unserer Zusammenarbeit.

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Wie fühlst Du dich, wenn sich zwei Deiner Spieler bei der World Tour gegenüberstehen? Wie würdest Du Dich fühlen, wenn zwei Deiner Spieler in Tokio 2020 aufeinander treffen würden?

Wenn sie sich bei der World Tour begegnen, habe ich Mitleid mit dem Verlierer. Tokio 2020? Ich werde mich fantastisch fühlen, wenn sie gegeneinander im Finale spielen. Das wäre wirklich toll!!!